Paraguay – zwischen Butterdose und Baukunst

Von einer Butterdose, die nicht schließt, bis zu abenteuerlichen Baustellen: Unser Alltag in Paraguay steckt voller Überraschungen und kurioser Entdeckung

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen zum Staunen bringen. Und manchmal sind es ziemlich große Gebäude.

Auch in unserem Alltag in Paraguay gibt es immer wieder Momente, in denen ich nur den Kopf schütteln kann und denke: „Das gibt es doch nicht!“

Wobei ich inzwischen gelernt habe, dass dieser Satz hier erstaunlich häufig Verwendung findet. 😁

Eine Butterdose mit Überraschung

Eigentlich wollte ich nur eine Butterdose. Nichts Besonderes. Eine ganz normale Butterdose mit Deckel.

Hier in Paraguay gekauft, wohlgemerkt.

Auch die Butter stammt von hier und wird in einer üblichen Einheitsgröße verkauft.

Also Butter ausgepackt, in die neue Dose gelegt und Deckel drauf.

Dachte ich.

Der Deckel passt nicht!

Geöffnete Butterdose mit einem zu hohen Stück Butter, sodass der Deckel nicht passt

Die Butter ist schlicht zu hoch für die Dose.

Nun könnte man meinen, ich hätte versehentlich eine Butterdose für besonders flache Butter erwischt. Aber die Frage bleibt: Für welche Butter wurde dieses gute Stück eigentlich hergestellt?

Vielleicht ist es auch gar keine Butterdose, sondern eine dekorative Abdeckung für besonders ambitionierte Käsescheiben.

Wer weiß das schon?

Natürlich könnte ich die Butter passend zurechtschneiden. Aber irgendwie widerstrebt es mir, ein Lebensmittel an eine Dose anzupassen, die genau für dieses Lebensmittel hergestellt wurde.

Willkommen in Paraguay!

Und dann wäre da noch die Baukunst …

Während eine unpassende Butterdose höchstens für ein bisschen Gelächter sorgt, gibt es andere Dinge, bei denen ich deutlich genauer hinschaue.

Zum Beispiel beim Bauen.

Wir beschäftigen uns gerade intensiv mit unserem eigenen Hausbau. Entsprechend aufmerksam beobachten wir natürlich, wie hier gebaut wird.

Und da gibt es einiges zu entdecken.

Alltag in Paraguay: Mehrstöckige Baustelle mit Ziegelwänden, Betonstützen und einem Gerüst aus Holzstangen.

Viele Gebäude entstehen in einer Kombination aus Stahlbetonstützen, Betonträgern und vergleichsweise dünnen Ziegelwänden.

Was für deutsche Augen zunächst ungewohnt aussieht, ist hier eine verbreitete Bauweise.

Dabei muss man allerdings unterscheiden: Bei einer Stahlbetonskelettkonstruktion übernehmen vor allem Stützen und Träger die tragenden Aufgaben. Die Ziegelwände dienen häufig lediglich als Ausfachung.

Dünne Wände sind deshalb nicht automatisch ein Zeichen schlechter Statik.

Aber sie werfen andere Fragen auf.

Wie sieht es mit dem Wärmeschutz aus? Wie stark heizen sich die Räume im Sommer auf? Was passiert bei starken Temperaturunterschieden? Und wie gut ist das Gebäude gegen Feuchtigkeit geschützt?

Gerade in einem Land, in dem die Sommer ausgesprochen heiß werden können, sind das keine unwichtigen Überlegungen.

Arbeitssicherheit – ein Kapitel für sich

Besonders interessant fanden wir eine größere Baustelle, an der wir vorbeikamen.

Ein hohes Gebäude, ein Gerüst aus Holzstangen und Arbeiter, die sich in beachtlicher Höhe an der Fassade bewegten.

Ich gebe zu: Mir wurde schon beim Zuschauen etwas anders.

Aus Deutschland kennen wir Gerüste mit festgelegten Anforderungen an Standsicherheit, Arbeitsplattformen und Absturzsicherung.

Hier begegnen uns immer wieder Lösungen, die deutlich improvisierter wirken.

Ob und welche Sicherungen auf dieser konkreten Baustelle vorhanden waren, konnten wir aus der Entfernung natürlich nicht vollständig erkennen.

Aber die Bilder sprechen zumindest dafür, dass sich ein genauerer Blick auf die Arbeitsbedingungen lohnt.

Denn bei aller Offenheit für andere Bauweisen gibt es einen Punkt, an dem für mich Schluss mit lustig ist: Wenn Menschen unnötigen Risiken ausgesetzt werden.

Improvisation kann eine wunderbare Fähigkeit sein. Sie ersetzt aber keine Sicherheit.

Anders bedeutet nicht automatisch schlechter

Was ich an Paraguay schätze, ist die Bereitschaft, praktische Lösungen zu finden.

Nicht für jedes Problem wird erst einmal ein Regelwerk hervorgeholt. Vieles wird ausprobiert, angepasst und mit den vorhandenen Mitteln umgesetzt.

Das kann ausgesprochen kreativ sein.

Aber natürlich hat diese Herangehensweise auch ihre Grenzen.

Und genau deshalb beschäftigen wir uns bei unserem eigenen Bauprojekt so intensiv mit Materialien, Konstruktionen und handwerklicher Ausführung.

Wir möchten bewusst anders bauen. Mit Rundbauten, Earthbags und einem Konzept, das zu unserem Leben und zum Klima hier passt.

Aber anders bauen bedeutet für uns nicht, auf Qualität oder Sicherheit zu verzichten.

Ganz im Gegenteil.

Zwischen Kopfschütteln und Schmunzeln

Ich glaube, genau das gehört zum Auswandern dazu.

Man verlässt nicht nur sein Heimatland, sondern auch viele Selbstverständlichkeiten.

Dinge, über die man früher überhaupt nicht nachgedacht hat, werden plötzlich zu kleinen Abenteuern.

Manchmal ist es eine Baustelle, bei der man sich fragt, wie das wohl alles funktioniert.

Und manchmal ist es eben eine Butterdose, deren einzige Aufgabe darin besteht, Butter aufzubewahren – und die schon daran scheitert, ihren Deckel zu schließen.

Natürlich ist nicht alles in Deutschland besser. Und nicht alles in Paraguay schlechter.

Aber vergleichen, hinterfragen und gelegentlich herzlich lachen darf man trotzdem.

Denn offen für Neues zu sein bedeutet schließlich nicht, den gesunden Menschenverstand an der Grenze abzugeben.

Und die Butter?

Die bekommt jetzt erst einmal eine kleine Schönheitsoperation.

Damit wenigstens der Deckel passt.

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